1. Quartalsbericht

Auch wenn mit ein wenig Verspätung kommt hier mein 1. Quartalsbericht. Fangen wir Ende Oktober letzten Jahres an.

 

 

 

Nach nun fast zwei Monaten in Saintes kann ich erstmals sagen, dass ich mich wirklich eingearbeitet fühle und mein Arbeitstag zur reinen Routine geworden ist. Meine Aufgaben sind nach wie vor viel Putzen, Küchenarbeit und hausmeisterliche Tätigkeiten, womit ich eigentlich kein Problem habe, außer wenn ich ab und zu die Zimmer der Gäste machen muss, inklusive deren Toiletten. Das ist wirklich nicht mein Ding. Allerdings wurde während der letzten Wochen mein Arbeiteinsatz ein wenig erweitert und ich bin nun mindestens einmal die Woche an der Rezeption tätig, was wirklich viel Spaß macht. Also viel macht man da eigentlich nichts außer viel warten und ab und zu einen Gast einchecken, aber es ist trotzdem einfach schön. Die Arbeit an der Rezeption spornt einen auch an weil man dort alleine tätig ist und man die Verantwortung der ganzen JH auf sich nimmt. Außerdem ist dies die einzige Zeit wo ich mit den Gästen ein wenig in Kontakt komme und das ist zur Abwechselung sehr schön! Da ich der einzige Arbeiter hier bin der mehr Sprachen als nur Französisch beherrscht, werden mir mal zu mal auch Übersetzungen zugeschoben. Meine größte Übersetzung soweit war die der Homepage der Jugendherberge in La Rochelle. Diese Arbeit macht mir besonders Spaß, da es einfach mal was ganz neues für mich ist und eine schöne Abwechselung zum Putzen.

 

 

 

Mein Alltag gestaltet sich nach wie vor sehr einseitig. Lesen, schlafen, spazieren, computern und jonglieren sind somit meine Haupttätigkeiten. Ja, richtig gelesen, jonglieren – ist zwar eine sehr langwierige Arbeit aber an Zeit fehlt es mir ja nicht! Mit drei und vier Bällen habe ich schon kein Problem mehr, mit 5 Bällen ringe ich allerdings noch. Gerne würde ich in meiner Freizeit auch was mit den Gästen unternehmen, allerdings sind diese leider überhaupt nicht in meiner Altersklasse und die wenigen Ausnahmen sind meist nur sehr kurze Zeit dort. Zum Beginn meines Aufenthaltes war es vielleicht ganz schön und erfahrungswert einfach mal alleine zu sein und sich selbst beschäftigen zu müssen, aber irgendwann ist Schluss.

 

 

 

Lange habe ich überlegt und nachgeforscht wie ich mit dieser Situation klar kommen kann oder gar ändern könnte und bin während einer meiner vielen Aufenthalte in Biarritz auf die Lösung gestoßen – ich wechsele die Jugendherberge und gehe nach Biarritz. Einfacher gesagt als getan... Nach vielen E-Mails, Briefen und Telefonaten mit allen möglichen Leuten habe ich es jetzt doch endlich geschafft. Die Jugendherberge in Biarritz hat mich angenommen und mein Chef hat sich einverstanden erklärt mich gehen zulassen. Am 01.02.2007 geht es für mich nun also in Biarritz los, worauf ich mich riesig freue. Wie ich es schon selbst erlebt habe, sind dort viel mehr junge Leute aus aller Welt und einfach eine sehr angenehme und relaxte Atmosphäre – genau so wie ich es mir für mein FSJ vorgestellt hatte.

 

 

 

Weiter geht es mit einem meiner Highlights die ich bis jetzt hier erlebt habe. Im November letzten Jahres war für uns FSJler ein Trip nach Avignon geplant um dort einen 1-woechigen Sprachkurs zu machen. Durch die jedoch geringe Anzahl von Teilnehmern (Niko und Philipp aus Biarritz und ich selbst) und einigen organisatorischen Schwierigkeiten, kam der Sprachkurs letzen Endes doch nicht zu Stande, sodass wir lediglich so eine schöne Woche in Avignon verbrachten. Avignon ist wirklich eine wunderschöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, Geschäften, Bars, etc...alles was das Herz begehrt. Dazu hatten wir noch einen Ortskundigen als Führer – Paul, auch ein FSJler vom Sfd-Kassel der seinen Dienst in der YMCA dort macht. Und da muss ich den Village People gleich zustimmen – ‚It’s fun to stay at the YMCA...’ Besonders spaßig und lustig an dem Trip war auch, dass wir durch Paul einige Spanier, Amerikaner, Deutsche und Engländer kennen gelernt haben, mit denen wir abends auch weg gegangen sind. Es ist immer wieder ein einzigartiges Erlebnis mit einer solch internationalen und super Truppe Dinge zu unternehmen! So etwas erlebt man nun mal nicht oft, wo sich so viele junge Leute von verschiedenen Teilen dieser Erde die sich vorher noch nie zuvor gesehen haben, spontan entschließen etwas zusammen unternehmen und so einen Spaß haben. Nationalitäten, Hautfarben, Religionen spielten überhaupt keine Rolle und es war einfach ein faszinierendes Erlebnis! Für solche Momente habe ich mich für dieses Jahr im Ausland entschieden! Außerdem hatte ich auch das Glück mit diesen Leuten mein 19. Geburtstag zu feiern, was auch super war! Anlässlich meines Geburtstags ist mein Vater auch nach Avignon gekommen mit dem ich dann einen Tag später mit dem Auto durch halb Frankreich gefahren bin um wieder nach Saintes zu kommen...Auf dem Weg haben wir dann noch eine RIESEN Brücke überquert, deren Name ich leider vergessen habe, die aber angeblich die zweit meist besuchte Touristenattraktion in Frankreich ist, nach dem Eifelturm – sehr beeindruckend!

 

 

 

Über Weihnachten und Neujahr war ich dann wieder in der so geliebten Heimat! Die drei Wochen dort waren sehr erholsam und so konnte ich wieder neue Kraft für meinen bis jetzt nicht so ganz einfachen Aufenthalt finden. Allerdings – und das sag ich ganz offen – fiel es mir nach so einer schönen Zeit mit Family & Friends wirklich extrem schwer wieder nach Frankreich zurück zukehren und ich war kurz davor mein FSJ abzubrechen. Der Gedanke an einen möglichen Wechsel nach Biarritz und die Unterstützung meiner Freunde die mich nach dem Abitur besuchen wollen hat mich jedoch in letzter Minute noch mal umgestimmt.

 

 

Weitere Highlights sind wie immer meine Ausflüge nach Biarritz die ich eigentlich immer unternehme wenn mein Chef mir einige meiner ‚jours de repos’ (Feiertage) zusammenlegt, und das ist generell mindestens einmal im Monat. Es gibt einfach etliche Gründe um immer wieder nach Biarritz zu gehen. Erstens ist dies immer wieder eine Möglichkeit mit Leuten in Kontakt zukommen, was mir in Saintes nun mal ein wenig fehlt, andererseits kann ich dort meinem heiß-geliebten Surfen nachgehen! Auch wenn ich noch(!) kein Surf-Aß bin, macht es mir so wahnsinnig viel Spaß, da es einfach genau in meinem Element ist – Wasser! Da kann es mich auch nicht abschrecken im Dezember oder Januar in den Atlantik zu springen um sich dort in eisiger Kälte von den Wellen herum schmeißen zu lassen. Einfach nur super! Allerdings sind Wind, Wellen und Wetter nicht sehr voraussehbar im Winter, vor allem an der Atlantikküste und somit muss man sich manchmal alternativen suchen. Letzte Woche z.B. war ich auch in Biarritz um dort für meinen Umzug einige Sachen abzuliefern. Das Wetter war schön, allerdings waren die Wellen unberechenbar und durcheinander mit ihren 4m Höhe. So beschlossen wir (Philipp, Niko und ich) spontan einen Ausflug in die Pyrenäen, um dort den ‚Rhune’ zu besteigen, einen schönen Berg an der spanischen Grenze. Das Wetter war phänomenal mit rund 25°C, was damit den Aufstieg wesentlich angenehmer machte. Mit dem Dienstwagen, einem alten klapprigen Bus der sich fährt wie ein Panzer war die Reise dorthin auch kein Problem.

 

 

 

Als abschließendes Wort –

 

 

 

Rückblickend sehe ich auch positives in Saintes. Man hat mich hier gut aufgenommen und immer sehr freundlich behandelt. Ich hatte viele Freiheiten. Lokale Kontakte fand ich leider nicht. Besonders dankbar bin ich, dass mein Chef hier mich nach Biarritz wechseln läßt. Dort freue ich mich darauf, auch Französischkurse besuchen zu können, aber vor allem in einer wirklich internationalen Umgebung mit vielen jungen Menschen aller Herren Länder leben und arbeiten zu können.

22.1.07 15:15

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Barbara (29.1.07 18:38)
Lieber Jonas,
Dein Bericht ist Dir sehr gut gelungen. Du beschreibst sehr ehrlich alle Höhen und Tiefen, die du durchlebt hast.
Glückwunsch zu deinem Wechsel nach Biaritz, den du deiner Eigeninitiative und deinem Durchhaltevermögen zu verdanken hast.
Die Zitronenzeit,die du mit viel Lesen und Nachdenken konstruktiv genutzt hast, ist nun vorbei. Einen guten Start in der neuen Herberge! Wie man Küchendienst relaxed ableistet, weißt du ja jetzt schon!
Herzliche Grüße auch von Frau Chapman. So eine ältere Dame freut sich sicher sehr über eine Postkarte von Jonas mit dem Wal vom Atlantik.

Liebe Grüße
Barbara und Co

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